Estland

Der Euro in Estland - Währungsaufnahme im Januar 2011

Der 13. Juli 2010 dürfte für Estland ein folgenreicher Tag gewesen sein. An diesem hochsommerlichen Dienstag hat die Europäische Union den Beschluss gefasst, Estland zum 17. Mitglied in der Eurozone zu küren. Keine zwei Jahre nach Ausbruch der US-Immobilienkrise, und der daraus resultierenden Weltwirtschaftskrise, war der Weg frei. Estland hatte die Aufnahmekriterien erfüllt. Zum 1. Januar 2011 wurde der Euro nun auch in Estland als offizielle Währung eingeführt. Die Krone hat ausgedient.

Eurozone Estland
EURO - meie raha! Estland hat 2010 eine großangelegte Aufklärungskampagne unter dem Motto "EURO - unser Geld!" gefahren.

Da inzwischen auch die Position des Euro insgesamt auf den Prüfstand geraten ist, erhält der estnische Beitritt deutlich überregionalen Signalcharakter. Trotz überbordender Staatsschulden in weiten Teilen Europas und einer an Dramatik kaum zu überbietenden Abwehraktion gegen "feindliche" Spekulanten, galt es bei der EU zuletzt, Stärke und Attraktivität zu suggerieren. Fast möchte man meinen, dass das kleine und solide wirtschaftende Estland mit seiner Bereitschaft zum Verzicht auf die Krone den hohen Herren in Brüssel gerade recht gekommen sein muss.

Schon im Mai 2010 teilte mit Olli Rehn ein sichtlich gelöster EU-Währungskommissar vor laufenden Kameras mit: "Estland hat einen hohen Grad an dauerhafter wirtschaftlicher Konvergenz erreicht und ist damit für die Einführung des Euro am 1. Januar 2011 bereit." Acht weitere Kandidaten, wie z.B. Schweden, aber auch mit Lettland und Litauen die beiden anderen Staaten des Baltikums, fielen vorerst durch. Frühestens 2014 könnten auch sie dann den Sprung über die hohen Aufnahmehürden genommen haben.

 

Estnische 1 Euro-Münze
Estnische 1 Euro-Münze. Das Motiv stellt die Umrisse Estlands dar. (Quelle: Wikipedia)

Doch was hat Estland, was die übrigen Bewerber nicht haben? Die Europäische Zentralbank erstellt zusammen mit der EU-Kommission alle zwei Jahre unabhängige Berichte zur wirtschaftlichen Situation beitrittswilliger Staaten. Hauptkriterien sind das Bruttoinlandsprodukt, das Staatsdefizit (maximal drei Prozent des BIP), die Staatsverschuldung (maximal 60 Prozent des BIP) sowie niedrige Inflationsraten und ein niedriges Zinsniveau. Formal schaffte es Estland, alle Kriterien teils deutlich zu übertreffen. Lediglich beim Thema Inflation drohe in einigen Jahren Ungemach, gab Rehn zu bedenken.

Insgesamt sieht man Estland jedoch auf einem hinlänglich guten Weg, so dass das Abenteuer "Euro" für die rund 1,3 Millionen Esten zum 1. Januar 2011 Realität wurde. Und überhaupt blickt der Kontinent 2011 mit wachen Augen auf das nördliche Baltikum. Denn: Die Landeshauptstadt Tallinn ist Europäische Kulturhauptstadt 2011. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass der Euro die nicht eben geringe Zahl der estnischen Kritiker gleich in seinem ersten Jahr besänftigen wird. Ob dies allerdings von Dauer sein wird, bleibt abzuwarten. Die Mehrheit der Esten hat sich jedenfalls über die Euro-Einführung gefreut, auch wenn man doch mit nostalgischen Gefühlen der alten Krone hinterher schaut.


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