Estland

Estnisch – Facettenreiche Sprache einer kleinen Nation

Wer seinen Fuß erstmals auf estnischen Boden setzt, betritt wahrscheinlich auch aus sprachlicher Sicht Neuland. Der Grund: Estnisch weist allenfalls zum Finnischen größere Gemeinsamkeiten auf, da beide der finno-ugrischen Sprachfamilie zuzuordnen sind; genauer gesagt der ostseefinnischen Sprache.

 

Gute Reise! Flughafen Hiiumaa
"Head Reisi!" - "Gute Reise!", auf dem Flughafengebäude der Insel Hiiumaa.

Im Unterschied zum Finnischen, das viele deutsche Lehnwörter enthält, ist das Estnische mit weitaus mehr ursprünglich deutschen Vokabeln gespickt – auch wenn diese nicht immer sofort als solche erkennbar sein müssen.

 

Aus dem deutschen Wort Schloss wird so das hinten weich gesprochene loss (man begegnet dem Wort oft in dem Straßennamen Lossi = Schlossstraße). Die deutsche Zwiebel könnte auch niemand beim Namen nennen. Der Este sagt daher sibul. Ein wenig abstrakter fällt der Bezug zum Deutschen beispielsweise im Wort Sprache (keel) aus. Hierin versteckt sich die Kehle.

 

Die an Melodie und Vokalen reiche Sprache mag generell keine Zisch-, Scht-, Schp-Laute oder ähnliche "Zungenbrecher". Es gibt wenige Ausnahmen bei Fremdwörtern wie šokolaad [Schokolade] – der Buchstabe š wird hier jedoch nur verwendet, weil das Wort einer anderen Sprache entnommen ist. In rein estnischen Wörtern findet der Buchstabe hingegen keine Verwendung.

 

Weitere schöne Exempel für die Verachtung jeglicher Sprachhärte sind zu finden in: naps (Schnaps), tund (Stunde), koer (Hund – von Köter; Wolf heißt dagegen hunt), pekk (Speck), nipsutama (knipsen) oder riiul (Regal) – wobei sich die Reihe lange fortführen ließe.

 

Sprache
Am Taxistand in Tartu.

Erhebliche Übereinstimmungen zum Deutschen sind erkennbar bei Worten wie plats (Platz), reisibüroo (Reisebüro), plaaster (Pflaster) oder kahhel (Kachel). Weiter sind pilt (Bild), passiamet (Passamt), müts (Mütze), mantel (Mantel), vein (Wein), Moseli vein (Moselwein), atentaat (Attentat) oder arst (Arzt).

 

Besonders schöne estnisch-deutsche Wortschöpfungen sind nach Meinung der Redaktion nööp (Knopf), piparkook (Pfefferkuchen), das von Max Goldt besungene mööbel (Möbel) und tõkkepuuta raudteeülesõidukoht (unbeschrankter Bahnübergang - das im Deutschen allerdings keine Anlehnung findet).

 

Die Betonung liegt im Estnischen jedoch stets auf der ersten Silbe. Durch den ungewohnten Klang der Sprache ist es daher nicht immer leicht, die deutschen Lehnwörter herauszuhören.

 

 

Das estnische Alphabet (ABC)

 

Das estnische Alphabet basiert auf dem Lateinischen. Es besteht aus 32 Buchstaben, wobei man das Alphabet zweiteilen kann. Es gibt 9 Buchstaben, die nur in Namen und Fremdwörtern verwendet werden. Es handelt sich dabei um die Buchstaben Cc, Qq, Ww, Xx, Yy, Ff, Šš (schaa), Zz (zett), Žž (gee - wie das g im französischen "plage").

 

Mit 32 Buchstaben:

Aa, Bb, Cc, Dd, Ee, Ff, Gg, Hh, Ii, Jj, Kk, Ll, Mm, Nn, Oo, Pp, Qq, Rr, Ss, Šš, Zz, Žž, Tt, Uu, Vv, Ww, Õõ, Ää, Öö, Üü, Xx, Yy

 

Ohne die "Fremdbuchstaben" besteht das estnische Alphabet aus 23 Buchstaben:

Aa, Bb, Dd, Ee, Gg, Hh, Ii, Jj, Kk, Ll, Mm, Nn, Oo, Pp, Rr, Ss, Tt, Uu, Vv, Õõ, Ää, Öö, Üü

 

Um Estlandreisenden die Verständigung vor Ort ein wenig zu erleichtern, findet sich im Sprachführer eine detaillierte Auswahl gebräuchlicher Vokabeln und Ausdrucksformen. Dort, wo aus deutschsprachiger Sicht ein hoher Wiedererkennungswert vorliegt, sind die Begriffe hervorgehoben.

 

 

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