Estland

Begehrtes Ruhnu – Kleine Insel auf politischer Bühne

Die kleine Insel Ruhnu beweist stellvertretend, dass es um das freundschaftliche Miteinander der baltischen Staaten nicht immer zum Besten bestellt war. So stritten sich Estland und Lettland lange um den Besitz der rund 11,5 km² umfassenden Insel, die wunderschön in der Bucht vor Riga gelegen ist.

 

Karte Ruhnu
Alte Karte der Insel Ruhnu.

Was war passiert? Bis zur Besetzung durch Truppen des russischen Zaren im 18. Jahrhundert haben auf Ruhnu traditionell immer die Schweden das Sagen gehabt. Über Generationen hinweg bestimmten sie die lokale Lebenskultur, so dass sich auf der Insel ein schwedischer Dialekt – das Runsk – etablierte.

 

Mit dem Ende des Zarenreiches mussten sich die Bewohner einem Erlass des schwedischen Königs zufolge dafür entscheiden, zukünftig Estland oder Lettland angehören zu wollen. In einer Bürgerwahl entschied man sich für Estland, welches seither das scheinbar fragile Vorrecht an der Insel wahrt.

 

Wohl auch deshalb leben heute – subventioniert durch den Staat – rund 60 Esten auf Ruhnu. Doch was macht die Insel aus lettischer Sicht so interessant? Hierfür gibt es zwei Gründe: Zum einen besitzt Lettland rund 500 Kilometer Seeküste, aber keine einzige Insel (Estland dagegen rund 1.500). Zum anderen liegt Ruhnu geographisch deutlich näher an Lettland als an Estland. Der Wunsch, Ruhnu zu beanspruchen, mag damit verständlich erscheinen, ist jedoch politisch nicht umsetzbar.

 

Im Inselzentrum gibt es ein kleines Dorf, dessen schlicht-schöne Holzkirche in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. Das Umland wird weitestgehend von dicht bewachsenen Waldgebieten geprägt, deren Baumbestand durch das Vorkommen seltener Arten unter Naturschutz steht.

 

Kirche Ruhnu
Kleine Holzkirche auf Ruhnu.

Wie Adern durchziehen zahlreiche Wanderwege das wunderschöne Terrain. Frischer Seewind sorgt stets für angenehmen Luftaustausch, häufig vernehmbar durch das Rauschen der Baumwipfel. Der Eindruck ist idyllisch. Vieles am Wegesrand wirkt unberührt.

 

Es passt gut ins Bild, dass längere Wanderungen ohne menschlichen Kontakt auf Ruhnu nicht selten sind. – Näher als auf dieser dünn besiedelten Insel kann man der Natur kaum sein.

 

Für Badefreunde empfiehlt sich indes der im Osten der Insel gelegene Strand namens "Lido-Beach", an dem es im Hochsommer durchaus etwas voller werden kann. Natürlich erwarten den Besucher auch hier keine Bilder, die der durchaus angespannten Situation mancher Mittelmeer-"Traumstrände" vergleichbar wären.

 

Auch an heißen Sommertagen herrschen stets genügend Freiraum und angenehm unaufdringlicher Badespaß. Es ist ein Segen – lästige Platzkämpfe sind auf Estlands Stränden generell nicht zu erwarten.

 

 

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