Hübsches Haapsalu – Die kleine Diva an der Westküste Estlands
Gegründet wurde die 12.000 Einwohner zählende Stadt Ende des 13. Jahrhunderts (1279), um sich in der Region gleich gehörig Geltung zu verschaffen. Der Grund: Haapsalu war ehemals Bischofssitz, was durch die bestens erhaltene Domkirche auch heute noch fast übergroß zum Ausdruck kommt.
Mächtig erhebt sich das von 1265 bis 1270 erbaute Gotteshaus vor seinen Betrachtern – bekannt als die größte einschiffige Kathedrale Nordeuropas. Abgerundet wird der mittelalterliche Stadtcharakter durch die teilweise erhaltene Befestigungsmauer der Bischofsburg.
Dazu gibt es in Haapsalu einige Badehäuser und Heilstätten im prächtigen Architekturstil des frühen 19. Jahrhunderts. Bereits die Romanows, das berühmte russische Zarengeschlecht, reisten mit Vorliebe aus Sankt Petersburg an, um sich von der schweren Last des Regierens zu befreien.
Deutlich jünger ist dagegen die Uferpromenade mit ihren zahlreichen Jugendstil-Villen. Auch hier flanierten in der Vergangenheit schon mancherlei internationale Berühmtheiten, weshalb es findigen Köpfen nur allzu verständlich erschien, Haapsalu mit einem gebührenden Beinamen auszustatten.
"Venedig des Nordens" lautete der Werbeslogan vergangener Tage, der seine logische Begründung in dem von zahlreichen Bächen und Wasserläufen geprägten Stadtbild suchte. Diese sind inzwischen jedoch verlandet, weshalb sämtliche Vergleiche zur italienischen Lagunenstadt mehr denn je hinken.
Für Haapsalu stellt dies dennoch kein Problem dar. Die Stadt hat ihre eigenen Reize, ist auf derartige Referenzen beileibe nicht angewiesen. So gehören beispielsweise auch zahlreiche Kulturveranstaltungen zu den tragenden Säulen des städtischen Fremdenverkehrs. Man schätzt und pflegt dabei ein breites Spektrum.
Hervorzuheben ist dabei das Bischofsburg Museum (Piiskopilinnuse muuseum), in dem man eine gute Portion regionaler Historie einatmen und überdies den Turm besteigen kann. Sollte einem dabei die Puste ausgehen, bietet die ortsansässige Burgschänke allerhand Speis und Trank, um rasch wieder auf der Höhe zu sein. Auch die Preise sind rundum in Ordnung.
Doch die Burg kann mehr: Liebhaber klassischer Musik werden an dem jährlich stattfindenden "Pjotr Tschaikowski-Festival" ihre Freude haben. Hinzu kommen das "Internationale Amateurtheater- Festival" und das so genannte "Intertheaterfest".
Gespenstisch geht es dagegen in hochsommerlichen Nächten zu. Nun treibt der umherwandelnde Geist der "Weißen Dame von Haapsalu" vor allem dem schauderlustigen Jung-Publikum den Angstschweiß auf die Stirn. Kurzum: Es wird denkbar viel getan, um Besucher vielfältigst bei Laune zu halten. Entsprechend viel Zeit und Aufwand wird daher in die Pflege des alten Gemäuers gesteckt.
Das im alten Rathaus gelegene Läänemaa-Museum (Läänemaa Muuseum ja endine raekoda) dokumentiert die historischen und zeitgenössischen Besonderheiten der Stadt und des Landkreises. Weitere beliebte Anlaufstellen sind das "Museum der Schweden" (Rannarootsi Muuseum) und vor allem das Estnische Eisenbahnmuseum.
Dieses hat sich weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen gemacht; ein wahres Schmuckstück. Es handelt sich um einen Bahnhof aus dem Jahr 1907, der extra für die russische Zarenfamilie, besagte Romanows, erbaut wurde. Das Bahnhofsgebäude gilt nicht nur im Baltikum als eines der schönsten seiner Art.
Zweifelsohne lebt Haapsalu wie kaum eine andere estnische Stadt von seinen Gästen. Umso besser, dass man sich an der Westküste Estlands aufgrund mehrerer Faktoren zu den beliebtesten Tourismuszielen des Landes zählen darf. Haapsalu blickt in eine sonnige Zukunft.
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