Estland

Gerüstet für den Kampf – Chronologie der Stadtgeschichte

Die Geschichte Narvas ist aufgrund der geographischen Lage in hohem Maße von Bedrohung, Kampf und Widerstand geprägt. Narva ist seit jeher Festungsstadt. Mit ihrer Hilfe unternahmen im Jahr 1171 zunächst dänische Truppen den Versuch, sich im Osten des Landes dauerhaft festzusetzen.

 

Russische Eroberer vor Narva (Livländischer Krieg, 1558).

1346 gelangte Narva in den Besitz des Deutschen Ordens, dessen Bedenkenträger die bestehenden Festungsmauern nochmals erheblich vergrößern ließen. Fortan galt es, den Schutz vor russischen Eroberungsversuchen konsequent auszuweiten.

Zwischen 1558 und 1581 ging Narva kurzzeitig in russischen Besitz über, um nur wenig später nach einem weiteren Machtwechsel von Schweden aus regiert zu werden. Der militärische Fortschritt dieser Tage tat sein Übriges: Neuartige Schusswaffen zwangen die Skandinavier zu einer weiteren Vergrößerung der Feste. Gefahr drohte jedoch auch von anderer Seite: 1610, 1649 und 1659 kam es in Narva zu zerstörerischen Großbränden, die auch seinen Schutzbauten erheblich zusetzten.

Während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) wurde die Stadt zu einem der bedeutendsten Kampfgebiete. In der Schlacht von Narva trugen am 20. November 1700 zunächst die Schweden den Sieg gegen eine russische Übermacht davon. Vier Jahre später gelang es Zar Peter I. dennoch, die Stadt zu erobern. Nun hielt er einen lange ersehnten Schlüssel zum gesamten Baltikum in Händen.

Mahnmal Narva
Mahnmal zu Ehren der Opfer des 2. Weltkriegs.

Sehr bewegt war die Stadtgeschichte auch im 20. Jahrhundert: Im Frieden von Tartu bekam Estland 1920 einen ungefähr fünf Kilometer breiten Landstreifen Russlands zugesprochen. Narva und das am anderen Ufer des Flusses gelegene Ivangorod wurden somit faktisch zu einer Einheitsstadt. Nach Ende des 2. Weltkriegs forderte die Sowjetregierung das angestammte Territorium jedoch wieder zurück.

Bedingt durch die gravierenden Zerstörungen der letzten beiden Weltkriegsjahre stand der folgende Wiederaufbau Narvas ganz im Zeichen der wenig attraktiven Einheitsarchitektur sowjetrussischer Prägung, deren optische Last die Stadt auch heute noch negativ prägt. Vielerorts in Narva überwiegen grau-graue Wohnblöcke und schmucklose Ladenzeilen.


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