Estland

Pärnu – Chronologie der Stadtgeschichte

Alt-Pernau (Vana-Pärnu), so der frühere Name Pärnus, wurde um das Jahr 1250 mit der Einweihung einer am gleichnamigen Fluss erbauten Domkirche gegründet. Ab 1346 entwickelte sich die Hafenstadt zu einem florierenden Mitglied der Hanse. Der klimatisch begünstigte Südwesten Estlands war für den Getreidehandel prädestiniert.

 

Tallinner Tor in Pärnu
Das Tallinner Tor: Bestandteil der alten Wehranlage Pärnus – heute ein beliebter Treff.

Im Verlauf des Livländischen Krieges (1558-1583) wurde Pärnu ab 1562 von Schweden besetzt. Dies führte zur Entstehung neuer und zudem lukrativer Handelsbeziehungen in den norddeutschen Raum.

 

Im Jahr 1699 wurde die Universität Tartu aufgrund politischer Wirren ins weit (150 km) entfernte Pärnu ausgelagert. Auch heute noch leistet sich Tartu hier einen akademischen Ableger, das „Pärnu College“.

 

1710 eroberten schließlich zaristische Truppen die Stadt. Gleichzeitig setzte die Pest der schwindenden Bevölkerung arg zu, sodass sich die Situation in der Folgezeit im Grunde nur verbessern konnte. Die Talsohle war erreicht, der Umbruch in Sichtweite.

 

Kurhaus Pärnu
Nach wie vor in Betrieb: Das historische Kurhaus in Pärnu.

1838 öffnete in Pärnu das erste städtische Kurbad, wodurch das Kultur- und Fremdenverkehrswesen einen nachhaltigen Schub erhielt. Man hatte nun scheinbar erkannt, worauf es in der Ostsee-Region ankommt und ließ fortan (leider) große Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung abreißen. Selbige war als nur bedingt publikumswirksam eingeschätzt worden. Störende Reminiszenz an alte Zeiten.

 

Lydia Koidula
Lydia Koidula (*1843 - †1886). Lyrikerin und Freiheitskämpferin.

Vom besonderen Freigeist der Stadt zeugen dagegen zwei unterschiedliche historische Episoden: Es handelt sich zum einen um die Gründung des Pernauer Postboten (die erste estnisch-sprachige Zeitung) im Jahre 1857. Zum anderen ging vom städtischen Endla-Theater anno 1918 die erste landesweite Unabhängigkeitserklärung aus. Die Freiheit sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein.

Als nächster geschichtlicher Einschnitt folgte ab 1944 eine knapp 50-jährige Epoche als privilegierte sowjetische Kur- und Heilstadt. Heute, fast zwei Jahrzehnte nach Erreichen der estnischen Unabhängigkeit, zählt das "freie" Pärnu zu den beliebtesten Reisezielen im Baltikum.


» Nächstes Thema: Stadtbesichtigung Pärnu


Suche