Estland

Chronologie der Stadtgeschichte Tallinns

Im Verlauf des 10. Jahrhunderts als Kaufmannssiedlung unter dem Namen Lindanise gegründet, wurde Reval (Name bis 1918 gültig) erst bei Beginn des 13. Jahrhunderts von den Dänen zu einer befestigten Stadt ausgebaut. Taani linn (auf Deutsch: Dänenburg) – so eine altestnische Bezeichnung, die seither als epochaler Pate für die Anfangsjahre und den heutigen Stadtnamen Tallinn anzusehen ist.

Gemälde Dänen erobern
Die Dänen erobern Estland (Schlachtengemälde, 1809).

Im Jahr 1285 erhielt Reval Anschluss an die Hanse und entwickelte sich zu einem überregionalen Knotenpunkt des organisierten Ostseehandels. Anno 1346 wurde die Stadt samt umliegender Ländereien an den Deutschen Orden übertragen. Ab jetzt sollten in Reval über viele Generationen hinweg fremde Herrscher bestimmen.

 

Den einheimischen Bauern blieb dagegen lediglich die Pflege der estnischen Kultur und Sprache vorbehalten, ohne Einfluss auf die wirtschaftlichen und politischen Geschicke ihrer Heimat ausüben zu dürfen. Einzig positiver Aspekt: Die kollektive Basis für den großen Freiheitsdrang späterer Jahrhunderte war damit gelegt.

 

Über den Dächern der Altstadt. Turm der Heilig-Geist-Kirche (Püha Vaimu kirik).

Mit dem Ende des Ordensstaates ging Reval 1561 in schwedischen Besitz über. Eine Zäsur, die heute als Auftakt in eine sehr wechselhafte, von Aufstieg und Chaos geprägte Entwicklungsphase angesehen wird.

 

Trotz zahlreicher sozialer und kultureller Fortschritte setzten fortan kriegerische Auseinandersetzungen mit Russland (1570/71 u. 1577) der Hafenstadt arg zu. Der Pest-Ausbruch (1602) und ein verheerender Großbrand (1684) taten ihr Übriges.

 

Im Zuge des Großen Nordischen Krieges nahmen ab 1710 russische Truppen Besitz von Reval. Es folgten der erneute Ausbau des Hafen-Areals und ein beträchtliches Bevölkerungswachstum. Gleichzeitig sprach Peter der Große den alteingesessenen Seilschaften deutscher Herkunft wieder ihre „angestammten“ Privilegien zu.

 

Von den Wirren des 1. Weltkriegs weitgehend verschont geblieben, stellte das Jahr 1918 für Reval eine weitere Zäsur dar. Die geschichtsträchtige Ostseehafenstadt hieß von nun an offiziell Tallinn und wurde zur Hauptstadt der erstmals unabhängigen Nation Estland. Jahrzehnte zu früh, wie sich bereits wenig später herausstellen sollte.

 

Utopie
Auch das Baltikum war Teil der sowjetischen Utopie.

Nachdem im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zunächst Russland (ab 1939) und später Hitlerdeutschland (ab 1941) Tallinn und den Rest Estlands besetzt hielten, ging der Baltenstaat ab 1944 im Sowjetimperium auf.

Es folgten mehr als fünf lange Jahrzehnte, die stark von politischer und wirtschaftlicher Bevormundung seitens des Kreml geprägt waren. Auch im durchaus privilegierten Tallinn eine entbehrungsreiche Zeit.

Am 20. August 1991 erlangten schließlich Estland seine Unabhängigkeit und Tallinn seinen wahren Hauptstadtstatus zurück. Das Sowjetimperium hatte sich selbst überlebt, und für die Baltenrepublik begann neuerlich die Zeit der politischen und wirtschaftlichen Eigenständigkeit – speziell für Tallinn eine segensreiche Entwicklung.

Inzwischen präsentiert sich die Hauptstadt als aufstrebender Wirtschaftsstandort und baltische Tourismushochburg stolz einer stetig steigenden Besucherzahl. Die Spuren der langen Historie Tallinns bleiben dabei vor allem architektonisch sehr präsent.


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