Estland

Die altehrwürdige Universität Academia Gustaviana

Die 1632 gegründete Academia Gustaviana ist eine der traditionsreichsten und ältesten Universitäten (Ülikool) in Nordeuropa. Sie ist das dominierende Wahrzeichen Tartus und gilt gleichzeitig als das geistige Zentrum Estlands. Doch so bewegt wie die gesamte estnische Landesgeschichte präsentiert sich - zumindest in Teilen - auch die Historie der ursprünglich im deutschsprachigen Raum hoch angesehenen Universität.

 

Die Universität Academia Gustaviana
Das Hauptgebäude der Universität Academia Gustaviana

Nach einer erfolgreichen Aufbauphase unter schwedischer Obhut mussten Forschung und Lehre der Akademie infolge instabiler, teils kriegerischer politischer Verhältnisse über das 18. Jahrhundert hinweg ruhen. Zwischenzeitlich wurde der Lehrbetrieb sogar ins entfernte Pärnu ausgelagert.

Erst mit dem 1804 errichteten Klinikum und der nur wenige Jahre später eingeweihten Sternwarte (es war die größte und modernste ihrer Zeit) setzte in Dorpat, so der damalige Name Tartus, ein erneuter akademischer Aufschwung ein.

In der Region schwangen nun Russland und seine Zaren das Zepter, deren politische Hinwendung an Kerneuropa dafür Sorge trug, dass der gesamte akademische Lehrbetrieb bis 1890 in deutscher Sprache stattfand. Zahlreiche Lehrkräfte und Studierende strömten damals aus den deutschsprachigen Zentren Mitteleuropas an die aufstrebende baltische Universität.

Oscar Wilde Eduard Vilde
Oscar Wilde u. Eduard Vilde: Fiktives Treffen intellektueller Namensvettern in Bronze.

Der Umbruch erfolgte dann auch hier kurz nach dem 1. Weltkrieg (1914-18): Mit der ersten Unabhängigkeit des Landes entwickelte sich Estnisch zur vorrangigen Lehrsprache. Daneben etablierte sich die Akademia Gustaviana von nun an als Nationaluniversität (Tartu Ülikool) – ein Status, der noch immer Bestand hat.

Heute setzt man an der Universität zu Tartu in erster Linie auf zukunftsorientierte Forschungsbereiche wie die Gentechnik sowie auf Umwelt-, Informations- und Lasertechnologien. In Tartu scheint damit der Weg in ein erfolgreiches akademisches Jahrhundert geebnet zu sein. Wieder einmal...

 

 

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