Estland

Stadtgeschichte Viljandis

Die ersten Aufzeichnungen einer befestigten Anlage in Viljandi gehen auf das Jahr 1154 zurück. Es ist jedoch nicht bekannt, wann genau die Feste gegründet wurde; man geht davon aus, dass es irgendwann zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert nach Christus gewesen ist. Im Jahre 1283 erhielt Viljandi das Lübecker Stadtrecht. Relativ früh in der hanseatischen Geschichte wurde Viljandi zur Hansestadt, nämlich im Jahre 1346.

 

Hügelfeste
Die Ruinen der Hügelfeste.

Während einer etwa 130-jährigen Friedensperiode gedieh die Stadt prächtig. Danach folgten diverse zerstörerische Tauziehen zwischen Polen, Schweden und Russen, wobei der inzwischen dahinsiechende Deutsche Orden und vor allem die estnischen Ureinwohner die Leidtragenden waren.

 

1558 fiel Viljandi dem Zaren zu, 1582 den Polen. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts obsiegten schließlich die Schweden, doch sie waren nun Herren von verbrannter Erde. Eine lange Periode der Depression folgte. Die Stadt verschwand von der schwedischen Liste der befestigten Städte, ihre Stadtrechte wurden nicht erneuert. Viljandis überreginale Bedeutung schwand zusehends.

 

Burgmodell
Das Modell der dreiteiligen Burg.

Erst im Jahre 1783, inzwischen wieder unter zaristischer Herrschaft, wehte ein starker Rückenwind für Viljandi. Die Stadt bekam ihre Stadtrechte zurück und wurde in den Rang einer Kreishauptstadt erhoben.

 

Im 19. Jahrhundert setzte ein Entwicklungsschub ein. Im Zuge des Nationalen Erwachens der Esten kam ein kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Aufschwung. Neben Tartu und St. Petersburg war Viljandi ein Zentrum der nationalen Bewegung. Hier wurde auch die Idee zur Estnischen Schriftsteller-Gesellschaft geboren.

 

Einige Meilensteine der raschen Entwicklung:

 

Rathaus von Viljandi
Rathaus von Viljandi. Eines der ältesten Steingebäude Viljandis: 1768-1774. 1931 komplettsaniert.

1878 gründete C. R. Jakobson die estnischsprachige Zeitung “Sakala”, die bald zur beliebtesten Publikation Estlands avancierte. (Heute gibt es erneut eine Zeitung Namens Sakala.)

 

1890 wurde eine Streichhölzer-Fabrik gegründet, die heute noch existiert.

 

1897 baute man eine Schmalspurbahn nach Viljandi.

 

1911 wurde in Viljandi eines der ersten Wasserwerke Estlands gegründet. Der alte Wasserturm ist ein Wahrzeichen der Stadt, er dient heute als Aussichtsturm.

 

1912 gründete man eine Textilfabrik. Kurz danach wurden hier motorisierte Flugzeuge gebaut.

 

In den 1930er Jahren entwickelte man die Stadt zu einem Urlaubsort.

 

Nach dem 2. Weltkrieg kam die Sowjetherrschaft. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass in dieser für die Esten dunklen Zeit nicht ein einziges Denkmal zu Ehren Lenins oder Stalins in Viljandi errichtet wurde. Die Mehrheit der Stadträte haben diesbezügliche Begehren seitens der kommunistischen Zentralregierung stets abwimmeln können.


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