Estland

Der Peipsi-See (Peipus-See)

Obwohl Estland im Allgemeinen nicht als Land der Superlative bezeichnet werden kann, zählt der sich ostwärts weit über die russische Grenze erstreckende Peipsi-See zum Größten, was der europäische Kontinent zu bieten hat.

 

Peipus-Sees Landkarte
Lage des Peipus-Sees auf der Landkarte. - (Bearbeitet von Sascha Brück [Wikipedia] nach der Quelle www.lib.utexas.edu)

Das im Deutschen auch als Peipus-See bezeichnete Binnengewässer ist mit ca. 3.600 Quadratkilometern etwa achtmal so groß wie der Bodensee, wobei die maximale Länge ungefähr 143 Kilometer und die Maximalbreite rund 50 Kilometer beträgt.

 

Beeindruckende Zahlen also - doch der See, dessen Gesamtfläche auf estnischem Boden knapp 1.600 Quadratkilometer (~45%) beträgt, hat Besuchern weit mehr als schiere Endlosigkeit zu bieten ...

Vor allem am Nordufer finden sich zwischen Kauksi und Vasknarva teils wunderschöne Badebereiche, die mit Sandstränden und uferloser Fernsicht ein fast maritimes Urlaubsklima entstehen lassen. Auf den ersten Blick möchte man annehmen, dass erst der salzfreie Geschmack des Seewassers letzten Aufschluss über die Binnenlage des Standortes geben kann.

 

Steilküste am Peipussee
Kallaste paljand - Steilküste in Kallaste.

Bemerkenswert auch die unterschiedlichen Gesichter, mit denen sich das Gewässer seinen Betrachtern im Jahresverlauf präsentiert: Während der Peipsi-See im Winter zumeist monatelang knapp einen halben Meter dick zugefroren ist, erwärmt er sich im Verlauf des kurzen Sommers auf über 20°C – nahezu ideale Badetemperaturen.

 

Wie das? Hauptgrund der „Schnelllebigkeit“ des Sees ist seine mit durchschnittlich gerade einmal acht Metern sehr geringe Tiefe. Hierdurch werden die relativ schnellen saisonalen Temperatur- und Beschaffenheitswechsel maßgeblich beeinflusst.

 

Bucht Peipus See
Kleine Bucht im Peipus-See.

Die Lebensart der in Seenähe gelegenen Dörfer und Ansiedlungen ist stark von einer Vielzahl russischer Zuwanderer (Altgläubige, die in der Zarenzeit der religiösen Verfolgung entkamen) sowie Fischfang, dem allgegenwärtigen Haupterwerb der Umgebung geprägt. Nicht selten werden rohe oder bereits zubereitete Fische direkt am Wegesrand verkauft. Es herrscht kein Mangel an lokalen Spezialitäten, was angesichts des enormen Fischreichtums auch nicht weiter verwundern kann.

 

Zudem ist die Gegend berühmt für ihren Zwiebel- und Knoblauchanbau. Am Westufer des Sees gibt es drei Dörfer der Altgläubigen, die eine Achse bilden - in Estland bekannt unter dem Namen Zwiebelstraße (est.: Sibulatee). Diese Straße und vor allem die Altgläubigen, eine kulturell interessante Bevölkerungsminderheit, sind ein Kapitel für sich.

 

Generell ist zu sagen, dass man rund um das lang gezogene Ufer des Peipsi-Sees bislang auch im Sommer keine Heerscharen von Touristen fürchten muss. Es gibt zwar bemerkenswerte kulturelle und architektonische Sehenswürdigkeit, doch sind diese auch unter den Reiseveranstaltern kaum bekannt. Auch gibt es für größere touristische Ambitionen schlichtweg zu wenig Gästebetten.

 

Aufgrund der eher überschaubaren touristischen Aktivitäten präsentiert sich die Region abseits der strengen Wintermonate in aller Ruhe und Beschaulichkeit – eben wie geschaffen für Besucher, denen es im Urlaub auf entspanntes Naturerleben und Ursprünglichkeit, mit einem Schuss Folklore, ankommt.

 

 

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