Estland

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Baltikum

Das Baltikum gilt als Sammelbegriff für die im Nordosten Europas gelegenen Ostseestaaten Estland, Lettland und Litauen. Ebenfalls dazugehörig ist die russische Exklave Kaliningrad (altdeutsch: Königsberg) im Norden des ehemaligen Ostpreußens.

 

Viinistu
In Viinistu, Nordküste.

Dass es sich beim Baltikum mehr um eine geographische als um eine spirituelle Einheit handelt, wird u. a. durch eine Reihe regionaler Unstimmigkeiten, kultureller Unterschiede sowie die offensichtliche Nähe Estlands zu Finnland deutlich. Die "Balten" selbst kennen zwar den Begriff "Baltikum", identifizieren sich jedoch mit ihm in keiner Weise. Bei einer Selbstbeschreibung eines Esten würde dieser Begriff wie selbstverständlich niemals fallen.

 

 

Deutscher Orden

Der Deutsche Orden (auch Ordo Teutonicus oder Deutscher Ritterorden) ging 1198 aus einer im Verlauf des 3. Kreuzzuges (1189-92) gegründeten Hospitalgemeinschaft norddeutscher Kaufleute hervor (s. Artikel über Baltendeutsche). An der Spitze der ritterlich-geistlichen Vereinigung stand der jeweils auf Lebenszeit gewählte "Hochmeister".

 

Nachdem der Deutsche Orden 1225 zur Christianisierung der Pruzzen (baltischer Volksstamm) berufen wurde, eroberte er nach und nach große Bereiche Preußens, Livlands und Estlands. Seine größte Ausdehnung erreichte der Ordensstaat im 14. Jahrhundert.

 

Mit der Niederlage gegen Polen und Litauen bei Tannenberg begann ab 1410 der etappenweise Machtverlust. 1466 folgte u. a. die Abtretung Westpreußens an Polen. Im 16. Jahrhundert gingen Estland, Livland und Kurland verloren. 1809 ließ Napoleon I. den Deutschen Orden durch den Rheinbund faktisch auflösen.

 

 

Estnische Flagge

Die estnische Flagge wurzelt im auslaufenden 19. Jahrhundert und der damit verbundenen Phase des nationalen Erwachens. Im Jahr 1881 erhob der Estnische Studentenverband die Farben Blau, Schwarz und Weiß in der Kleinstadt Otepää zu den Signalfarben seiner Bewegung.

 

Estnisch Nationalflagge
Estnische Nationalflagge.

Es folgten Jahre der raschen Ausbreitung und landläufigen Identifikation. 1920 wurde die blau-schwarz-weiße Fahne schließlich zur Staatsflagge Estlands. Um das estnische Freiheitsdenken auch symbolisch zu unterdrücken, wurde sie zur Zeit des Sowjetimperiums verboten.


Unmittelbar vor der estnischen Unabhängigkeit wurden Blau, Schwarz und Weiß am 7. August 1990 offiziell zur Nationalflagge erklärt.

 

Die Farben haben folgende Bedeutungen:

Blau = Vaterlandstreue, Himmel
Schwarz = Fleiß, Heimaterde
Weiß = Mensch mit reinem Gewissen, hoffnungsvolle Zukunft

 

 

Estnische Hymne

Die estnische Hymne hat dieselbe Melodie wie die finnische. Komponiert wurde sie von einem Deutschstämmigen namens F. Pacius. Der Text hingegen ist aus der Feder von J. W. Jannsen – einem Anführer der estnischen Nationalbewegung des späten 19. Jahrhunderts.

 

Zur Zeit der sowjetischen Besatzung war das Singen der Hymne strikt verboten. Bei Nichtbeachtung drohten drastische behördliche Repressalien und sogar langjährige Haftstrafen.

 

 

Estnisches Wappen

Das estnische Wappen zeigt drei blaue Leoparden auf einem goldenen Schild. Es erschien erstmals 1219 als ein Element des Tallinner Stadtwappens und ist den nationalen Vorlagen Dänemarks und Englands entlehnt.

 

Das so genannte Drei-Löwen-Wappen wurde 1925 offiziell zum Einheitsemblem Estlands. In der Sowjetunion wurde es jedoch jahrzehntelang verboten. Auf die Verwendung standen Haftstrafen und weitere empfindliche Repressalien.

 

 

Finnischer Meerbusen

Der Finnische Meerbusen ist ein lang gezogener Seitenarm der Ostsee. Er erstreckt sich über einen schmalen Korridor zwischen den Küsten Finnlands, Russlands und Estlands. Seine Länge beträgt rund 430 km; seine Breite zwischen 60 und 120 km.

 

Die wichtigsten anliegenden Städte sind Sankt Petersburg (Russland), Helsinki (Finnland) und Tallinn (Estland). Der Finnische Meerbusen ist im Winter in der Regel zwei bis sechs Monate vereist.  

 

 

Großer Nordischer Krieg

Der Große Nordische Krieg (1700-21) war durch den Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum geprägt. Um Macht und Einfluss der Schweden in Nordeuropa zu brechen, kam es im Vorfeld zur Verbündung von Sachsen-Polen, Russland und Dänemark.

 
Nach anfänglichen Erfolgen gegen die Koalitionäre verlor der schwedische König Karl XII. die Entscheidungsschlacht bei Poltawa (08. Juli 1709). In den Folgejahren gewann die Union mehr und mehr die Oberhand.

 
Im Frieden von Stockholm (1719) und von Nystad (10. September 1721) wurde Schweden schließlich dazu verpflichtet, große Teile der umkämpften Gebiete abzutreten. Estland, Livland, Ingermanland und Karelien gingen in der Folgezeit in russischen Besitz über.

 

 

Hanse

Hinter dem Begriff Hanse verbirgt sich der spätmittelalterliche Zusammenschluss zahlreicher Handelsstädte im Zentrum und Nordosten Europas. Sie wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit dem Ziel gegründet, den privilegierten deutschen Handelsgenossenschaften eine gemeinschaftliche Interessenvertretung sowie Schutz vor feindlichen Übergriffen zu gewähren.

 
Im Zuge der deutschen Ostsiedlungen verlagerte sich das Gewicht der Hanse zunehmend auf den Ostseeraum. Ihre Hochphase datiert auf den Zeitraum nach 1370 (Sieg über Waldemar IV. von Dänemark), als alle bedeutenden Städte nördlich der Linie Köln – Halle – Breslau – Thorn – Dorpat angeschlossen waren.

 
Der allmähliche Niedergang der Hanse setzte gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Erstarken Englands, der Niederlande sowie der deutschen Landesfürsten ein. Ihre Auflösung erfolgte kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) im Jahr 1669.

 

 

Jugendstil

Der Jugendstil ist eine Ende des 19. Jahrhunderts entstandene kunstgeschichtliche Epoche, die außerhalb Deutschlands auch unter der Bezeichnung „Art Nouveau“ oder „Modern Style“ anzutreffen ist.

 
Zu seinen Merkmalen zählen dekorativ geschwungene Linien, flächenhafte (häufig blumenartige) Ornamente sowie der Einbau symmetrischer Elemente. Er entstand als kreativer Gegenentwurf zu den klassisch-historisch gekennzeichneten Stilen vorangegangener Kunstepochen. Sein Name ist auf die 1896 gegründete Münchner Zeitschrift „Jugend“ zurückzuführen.

 
Vorreiter in Deutschland waren u. a. Otto Eckmann (1865 – 1902) und Hermann Obrist (1863 – 1927). Unter dem Einfluss deutscher Architekten hat sich der Jugendstil auch im Baltikum zu einer prägenden Architekturrichtung entwickelt.

 

 

Klassizismus

Der Klassizismus ist eine kunstgeschichtliche Epoche, deren Hochphase der Zeitraum zwischen spätem 18. und frühem 19. Jahrhundert bildet. In seiner Darstellung widmet er sich vornehmlich der Anlehnung an klassische Vorgaben aus dem Altertum (vorrangig aus der griechischen Antike).


Grundsätzlich zeichnet sich der Klassizismus damit gegenüber vorangegangenen Stilepochen durch die programmatische Rückkehr zu geradlinigen Formen aus. Das ausschweifend Dekorative der Renaissance etwa wurde bewusst durch die Rückkehr zur Einfachheit abgelöst.

 

 

Livland

Livland ist eine historische Landschaft im Baltikum, die sich ursprünglich über das gesamte Gebiet zwischen Ostsee, Litauen und Peipussee erstreckte. Benannt ist sie nach den Liven, die an der Westküste des Rigaischen Meerbusens sowie im Mündungsgebiet der Düna ansiedelten.

 
Nach Ende des Livländischen Krieges (1558 – 1583) zerfiel die territoriale Einheit erstmals in mehrere Bestandteile. Estland ging danach in schwedischen, Kurland in polnischen Besitz über, so dass von Livland lediglich ein dazwischen liegender Landstreifen übrig blieb.

 
Die folgenden Jahrhunderte waren für Livland der Reihe nach von polnischer, schwedischer und russischer Fremdherrschaft geprägt. Nach Ende des 1. Weltkriegs wurde es, der Sprachgrenze entsprechend, zwischen Estland und Lettland aufgeteilt.    

 

 

Livländischer Krieg (1558 – 1583)

Im Livländischen Krieg kämpften Russland, Polen-Litauen, Dänemark und Schweden um die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft im Baltikum. Die Auseinandersetzungen begannen am 22. Januar 1558 mit dem Einmarsch russischer Truppen in Teilen Estlands und Lettlands – damals Livland genannt.


Hauptgrund war der freie Zugang zur livländischen Küste, welche für den Ostseehandel mit Westeuropa von größter Bedeutung war. Der Krieg gegen Polen-Litauen endete für Russland am 15. Januar 1582 mit dem Waffenstillstand von Jam Zapolski und dem gleichzeitigen Verzicht Zar Iwans IV. auf einen Großteil der beanspruchten Gebiete.


Ebenfalls erfolglos blieben für ihn die noch andauernden Auseinandersetzungen mit Schweden. Mit dem Friedensvertrag von Pljussa wurde am 10. August 1583 das Ende des Livländischen Kriegs besiegelt.

 

 

Ostsee

Die Ostsee ist ein über 400.000 km² großes Binnenmeer im Nordosten Europas. Die maximale Tiefe beträgt 459 m, der gesamte Rauminhalt rund 20.000 km³. Entstanden ist das auch Baltisches Meer bzw. Mare Balticum (lat.) genannte Gewässer vor ca. 12.000 Jahren, als sich mit dem Ende der letzten Eiszeit der gewaltige Eispanzer Nordeuropas nach und nach zurückzog.

 

Der Meeresspiegel stieg, die Landmassen erhoben sich, und zwischen der Skandinavischen Halbinsel und Zentraleuropa bildete sich eine schmale Rinne, die fortan Ost- und Nordsee miteinander verband: Das Kategat, ein schmaler Seeweg zwischen der Nordostküste Dänemarks und der Südwestküse Schwedens.

 

Hierbei handelt es sich um die einzige Verbindung der Ostsee zum Rest der Weltmeere, da sie ansonsten komplett von den angrenzenden Ländern umschlossen ist. Dies sind: Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Deutschland und Dänemark.

 

 

Rigaischer Meerbusen

Beim Rigaischen Meerbusen handelt es sich um eine große Ostseebucht, die sich entlang der lettisch-estnischen Küstenlinie erstreckt. Zur übrigen Ostsee hin wird sie im wesentlichen durch die größte estnische Insel Saaremaa (Ösel) abgegrenzt.

 

Die wichtigsten Städte an der Bucht sind die lettische Hauptstadt Riga sowie die estnische Kur- und Badestadt Pärnu (Pernau). Die Gesamtfläche des Rigaischen Meerbusens beträgt rund 16.000 km². Seine maximale Tiefe liegt bei ungefähr 70 Metern.

 

 

UNESCO-Weltkulturerbe

Derzeit tragen weltweit mehr als 800 von der UNESCO (engl.: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) als schützenswert eingestufte Baudenkmäler und Kunstwerke den Titel "Weltkulturerbe". Sie werden zusammen mit einzigartigen Landschaftsregionen (Weltnaturerbe) in der sogenannten Welterbeliste (engl.: World Heritage List) registriert.

 

Der Eintrag in die Liste garantiert den jeweiligen Objekten materielle und fachliche Hilfe bei Maßnahmen zur Restaurierung und zum Erhalt. Das Wirken der UNESCO geht auf eine 1972 in Stockholm verabschiedete Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt zurück, die 1975 in Kraft getreten ist.

 

Jährlich beratschlagt das World Heritage Committee über die Aufnahme neuer Objekte. Die Welterbeliste wird alle zwei Jahre in ihrer aktuellsten Form publiziert. Die UNESCO hat ihren Sitz in Paris (Frankreich).

 

 

Via Baltica

Die Via Baltica ist eine teils autobahnähnlich ausgebaute Fernverkehrsstraße, welche die wichtigsten Hauptstädte Nordosteuropas miteinander verbindet.

 

Sie führt über Prag (Tschechien), Warschau (Polen), Kaunas (Litauen), Riga (Lettland) und Tallinn (Estland) über eine Fährfahrt bis nach Helsinki (Finnland). Ihre Gesamtlänge beträgt rund 1.500 km. Im europäischen Straßennetz firmiert sie unter der Bezeichnung E 67.

 

 

 

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